Sekten

Doch noch einmal Politik – zumindest am Rande.

Ich hatte gestern auf Facebook gepostet:

Und dann kam ein Kommentar:

Dürfte eine Art Sekte sein und als Eintrittsritual muss jeder mal sein Hirn abgeben 🤣🤣🤣

Ich hab den Kommentar gelöscht – und die Person angeschrieben, warum ichs getan habe – also kurz – hier noch ausführlicher. Vorab mal, was sagt Wikipedia über den Begriff ==> Sekte:

Sekte (von lateinisch secta ‚Partei‘, ‚Lehre‘, ‚Schulrichtung‘) ist eine Bezeichnung für eine religiöse, philosophische oder politische Richtung und ihre Anhängerschaft. Die Bezeichnung bezieht sich auf soziale Gruppierungen, die sich durch ihre Lehre oder ihren Ritus von vorherrschenden Überzeugungen unterscheiden und oft im Konflikt mit deren Vertretern und Anhängern stehen.

Und nun zu meiner Geschichte zum Thema Sekte:

Mitte der 90er des vorigen Jahrtausends kamen meine damals beste Freundin und ich auf die Idee, eine Reiki-Ausbildung zu machen. Wir recherchierten und wählten danach eine Lehrerin, die – aus damaliger Sicht – etwas weiter entfernt lebt  – nicht zu weit, aber doch so weit, dass wir auch dort übernachteten – also im Nebenort.

Es war zwar ein nettes Wochenende, aber die Lehrerin war mir nicht ganz geheuer – sie war mir zu rigoros und irgendwie „eigen“. Auch meine Freundin war nicht restlos überzeugt – und da gabs noch nen jungen Mann, der sich nicht so wohl fühlte – mit ihm verband mich auch danach noch eine jahrelange – dann GeschäftsBeziehung.

Da war jetzt also dieses Wochenende – die Einweihungen wurden immer zu dritt in der Küche durchgeführt – ich saß zwar immer am Rand – aber meine Freundin war mir viel zu nah – für diese Art von Ritual – es störte mich, dass meine Intimsphäre – meine Aura – durch andere Personen verletzt wurden.

Ich beschloss dann auch – das wars – ist nicht meins – doch meine Freundin wollte weiter machen – und so suchte ich nach einer Alternative – wurde fündig – und dort fühlte ich mich dann auch wohl – und absolvierte die gesamte Ausbildung.

Was war anders – die neue Lehrerin ließ uns Raum für eigene EntWicklung und EntFaltung – es gab auch hier Regeln – aber die waren nicht so akribisch und streng – es waren mehr Vorschläge, denn Gebote und Verbote.

Und sie weihte einzeln ein – hatte auch meist nur einzelne Personen zur Ausbildung – machte nur in unserem Fall eine Ausnahme – und dabei wurde sie auch von ihrem Sohn unterstützt – d.h. ich wurde von ihr eingeweiht – und meine Freundin vom Sohn meiner Lehrerin.

Diese Konstellation blieb übrigens auch – ging zwar nicht von mir aus – aber passte perfekt – rückblickend betrachtet.

Zurück zur Sekte.

Meine Freundin und ich trafen uns mit einer anderen, die beim 1. Grad dabei war – gemütlich – bei meiner Freundin zu Hause – bei Kaffee und Kuchen. Zwischen 1. Grad und diesem Tag gabs ein Gartenfest – bei unserer 1. Lehrerin – auf dem ich auch war.

Ich meinte – im Scherz – ich war mir vorgekommen wie in einer Sekte – die Lehrerin mit offenem wallenden Haar – offensichtlich auf engelsgleich getrimmt – und ihre treuen Anhänger, die alle verteufelten, die nicht nach ihrer Pfeife tanzten.

Wir bleiben dann noch länger sitzen – meine Freundin und ich – und auf einmal läutete ihr Telefon – und besagte Lehrerin war dran und drohte uns mit Klage und Rechtsanwalt, wenn wir noch einmal behaupten würden, dass sie in einer Sekte wäre.

Ich gestehe – ich war baff – auch meine damalige Freundin war mehr als überrascht, weil es offensichtlich war, dass dies eine Aussage in kleiner und intimer Runde war – und ich das jetzt nicht irgendwo groß plakatieren würde – sondern es ein spontaner Vergleich war.

Damals hinterfragte ich den Begriff – Sekte – und was so die typischen Anzeichen wären, dass es sich wirklich um eine Sekte handelt

In Deutschland stellte die Enquête-Kommission „Sogenannte Sekten und Psychogruppen“ 1998 fest, dass in der Umgangssprache der Begriff „Sekte“ sich zunehmend auf Gruppen bezieht, denen vorgeworfen wird, in Lehre und Praxis systematisch gegen ethische Überzeugungen wie Menschenwürde, Menschenrechte, Freiheit, Toleranz, Selbstentfaltung oder Selbstverwirklichung zu verstoßen, statt Entfaltungsfreiheit Abhängigkeit zu produzieren, die Menschen zu entwürdigen und zur Intoleranz anzuleiten. 

Was mich ansprang war – Abhängigkeit produzieren – und das traf – damals – absolut zu. Es hatte alles strikt nach den Regeln ab zu laufen – Regeln, die nicht von unserer Lehrerin ausgingen, sondern von einer höheren Allianz, die jeden Pups regelte.

In wie weit es jetzt – auch hier – zurtrifft – wage ich nicht zu sagen. Ich weiß, dass ich persönlich immer wieder mit Menschen zusammen krach(t)e, die überzeugte FPÖ’ler waren und sind. Ich krach(t)e aber auch immer wieder mit Menschen in Networks zusammen, die absolut das nach predig(t)en, was ihnen ihre Gottobersten vor predigten.

Von daher – ich würds nicht unbedingt als Sekten bezeichnen – aber es ist schon was dran an der Überlegung, dass manche Menschen einfach ihr Hirn abgeben, wenn sie irgendwo beitreten, wo andere für sie das Denken und EntScheiden übernehmen.

So generell hab ich persönlich keine Berührungsängste in Bezug auf Sekten – wird ja auch von NLP gesagt und noch von einigen anderen Thematiken, mit denen ich mich schon beschäftigt hatte.

Mein ganz persönliches Problem ist, dass ich einfach nicht begreifen kann und will, dass Menschen wirklich aufhören, selbständig zu denken, sobald sie sich gewissen Gruppierungen anschliessen.

Und jetzt geh ich wählen 🙂

Bild von Pexels auf Pixabay


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